Gestern, Ostermontag: Aufgestanden, Nachrichten gehört. Sagte der Nachrichtensprecher, dass wieder Ostermärsche stattfinden. Auch in Berlin. Erstmal den Kopf geschüttelt, dass es so was noch gibt. Zumal es ja schon immer schwierig war, dass “die Linke” sich so gerne an die “Friedensbotschaft” des Christentums angehangen hat, um zu Ostern zu demonstrieren. (Friedensbotschaft heißt hier ja auch bloß, dass Jesus an Kreuz genagelt wurde - wie so viele andere im römischen Reich -, damit “unsere” Sünden gebüßt haben soll und dann wieder auferstanden ist. Das ist Blödsinn, aber so ist halt die Religion. Nur was das mit Frieden zu tun haben soll, zumal für Linke? Keine Ahnung. Ich will es vielleicht auch gar nicht wissen.)
Nun ja: bin ich da gewesen. Dachte mir, da kann ja so einiges Schreckliches abgehen. Treffpunkt war das Brandenburger Tor. (Ja wirklich. Immerhin sind sie nicht durchmarschiert.) Bis eine halbe Stunde nach dem Termin standen dort vielleicht 40 Menschen, erkennbar nur durch die DKP-Fahne, das FDJ-Transparent und zwei blöde Lautsprecherwagen, einer geschmückt und einer nicht. Direkt davor stand einer stilisierter Mercedes, der zur neuesten Deutschland-Juhu-Kampagne gehört: der war auffälliger. Das alles passte perfekt ins Bild. Die ganzen Touristinnen und Touristen machten Fotos und fühlten sich gut unterhalten. Meine Hoffnung war schon, dass es dabei blieben würde und die Demonstration sich einfach auflösen würde.
Dann doch
Irgendwann ging es dann doch los. Vielleicht, wenn es hoch kommt, 200 Menschen waren aktiv beteiligt. Einige als Hippies gegen jeden Krieg, die in ihrer Naivität, dass die Welt so einfach sei, wie sie sie gerne hätten, immerhin noch den am wenigsten schlimmsten Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausmachten. Viele als Alt-Linke mit DKP-, Pace- und WASG-Fahnen. Und unübersehbar viele, die gegen “den Krieg gegen den Iran” protestieren wollten, der - so wie sie aufgetreten sind - gleich morgen schon anfangen soll. Leider mittendrin eine Delegation von Exil-Iranern, die freie Gewerkschaften im Iran forderten. Nur waren sie dafür auf der falschen Demonstration. (”Hände weg vom Iran” heißt nun mal auch den religiös verbrämten Zwang zur Unterordnung der Arbeiterinnen und Arbeiter zu akzeptieren.)
Am bezeichnensten war dann wohl, dass die BüSo - immerhin eine der bekanntesten Sekten mit rechtsextremen Ansichten und Vokabular - ungehindert und massiv dort für sich Werbung machen konnte. Im so genannten Freien Politikforum - wo sich auch Fotos des Marsches finden und die antisemitische Gleichsetzung von Kapitalismus und USA in einem Bild durchgeführt wird, in welchem das Sony-Center und das Deutsche Bahn-Haus als “Twin Towers vom Potsdamer Platz” bezeichnet und somit in Schutt und Asche gewünscht werden - wurde dann im Nachhinein darüber diskutiert, dass die BüSo vielleicht antisemitisch sein könnte. Das war es dann aber auch schon mit der Debatte.
Die Abschlussveranstaltung hielt sich in diesem Rahmen: die USA ist schlecht, Atomwaffen auch, wir wollen keinen Krieg und wenn wir nur alle ganz nahe beieinander stehen und sagen (und singen) das wir Frieden wollen, dann kommt der schon von alleine und alle Bösen werden gut. Das kommt vielleicht davon, wenn man sich auf das Christentum bezieht, um eine Demonstration zu machen: man hört auf zu denken, will nichts Kompliziertes als Gut oder Böse mehr wissen und glaubt einfach, dass alles richtig wird. Irgendwie.
Ernst genommen hat das wohl niemand. Aber: es war eine touristische Attraktion. Ungefähr so wie die Love-Parade. Oder der CSD. Nur gibt’s dort die spaßigeren Pillen.